Jahrestagung 2017

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Religionsunterricht der Zukunft

Religiös-weltanschauliche Bildung in einer pluralistischen Gesellschaft

Der Religionsunterricht an den Schulen wird vielfach auf den Prüfstand gestellt und öffentlich diskutiert. Macht Religionsunterricht, zumal in seiner konfessionellen Ausprägung, angesichts eines religiösen und weltanschaulichen Pluralismus noch Sinn – oder erst Recht?

S. Hermann„Religionsunterricht der Zukunft. Religiös-weltanschauliche Bildung in einer pluralistischen Gesellschaft“ lautete deshalb der diesjährige und hochaktuelle Titel der Mitgliederversammlung des Fachverbands der evangelischen Religionslehrerinnen und –lehrer in Baden.
Referent Stefan Hermann, Direktor des Pädagogisch-theologischen Instituts der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der sich wissenschaftlich eingehend mit der Thematik beschäftigt, kommt zu dem Ergebnis: Konfessioneller Religionsunterricht ist gerade in einer religiös-weltanschaulich pluralen Gesellschaft dringend notwendig. Denn, so seine These: Verschiedenheit ist das Markenzeichen von Pluralität. Pluralität lebt demnach von Positionalität und Differenz. Verschiedene Positionen können, ja müssen unterscheidbar bleiben, zugleich aber auch in Diskussion miteinander treten können. Erforderlich dazu ist zum einen die Fähigkeit, die eigene Position reflektiert und anschlussfähig zur Sprache bringen zu können. Zum anderen müssen Personen in der Lage sein, die eigene Position als eine mögliche Perspektive zu verstehen, die keine Ausschließlichkeit besitzt.

Die Zukunft des Religionsunterrichtes ist erstens  in wissenschafts- und bildungstheoretische Kontexte einzuordnen. Dabei wird  deutlich, dass gerade in diesen Feldern deutlich wird: Wahrnehmung von Wirklichkeit erfolgt in unterschiedlichen Perspektiven, die sich nicht ausschließen, sondern ergänzen. Wirklichkeitsdeutung erfolgt in verschiedenen Sinnfeldern, die ebenfalls keine Ausschließlichkeit beanspruchen können. Lernen erfolgt an passungsfähiger Differenzerfahrung und setzt innere Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster voraus. Konfessioneller Religionsunterricht ist dabei eine wichtige Perspektive der Welterschließung und Weltdeutung. Er ermöglicht, eigene Sinndeutungsmuster bewusst wahrzunehmen und in angemessener Differenzerfahrung weiterzuentwickeln.

Die Zukunft des Religionsunterrichtes ist zweitens im Spannungsfeld von Pluralitätstheorie und Wahrheitsverständnis sowie Staatstheorie und Selbstverständnis der Kirchen zu entwickeln. Der Staat setzt wertebildende zivilgesellschaftliche Mitgestaltung voraus, Kirche wiederum setzt immer eine gesellschaftliche Mitverantwortung voraus. Vorausgesetzte perspektivische Positionalität von Pluralität entspricht ein Wahrheitsverständnis, dass seiner eigenen Perspektivität und Begrenztheit bewusst ist. Gerade wenn der Staat erwartet, dass konfessioneller Religionsunterricht Wahrheit vermittelt, wird dabei ein konstruktiver und selbstkritischer Umgang mit Positionalität erwartet  und unterrichtlich eingeübt.

Die Zukunft des Religionsunterrichts hat sich drittens an den verfassungsrechtlichen Vorgaben zu orientieren, die öffentliche religiöse Bildung bewusst staatlich zwar garantiert, aber nicht in staatliche Durchführungshoheit stellt, um potentiell totalitärer staatlicher Vereinnahmung zu wehren. Zu reflektieren wird sein, wie seitens der Religionsgemeinschaft die verfassungsrechtliche Formulierung „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft“ zeitgemäß zu verstehen und unterrichtlich zu übersetzen ist. Kein Spielraum besteht – mit Ausnahme in den Ländern, für die die Bremer Klausel gilt - für die Einführung eines staatlich verantworteten und für alle verantwortlichen religionskundlichen Unterrichts.

Gerade in seiner bewusst und verantwortungsvoll gestalteten konfessionellen Formatierung leistet der konfessionelle Religionsunterricht gerade in einer religiös-weltanschaulich pluralen Gesellschaft einen unverzichtbaren Beitrag zu starker Toleranz, die sich konstruktiv auf Verschiedenheit einzulassen vermag, ohne eigene Positionalität aufzugeben und damit Vielfalt einzuebnen.  


Der Fachverband lädt zur Mitarbeit ein:
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DER VORSTAND
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DIE ZEITSCHRIFT entwurf
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Aus unserer Satzung

§ 2 Zweck des Verbands
(1) Der Verband unterstützt die evangelischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer in ihrer Arbeit. Daraus ergeben sich folgende Aufgaben:
  1. Vertretung ihrer Interessen bei kirchlichen, staatlichen und kommunalen Stellen und in der Öffentlichkeit; insbesondere Mitwirkung bei
    • Entwicklung und Konkretisierung religionspädagogischer Zielvorstellungen,
    • Fort- und Weiterbildung,
    • beruflicher und dienstrechtlicher Sicherung der Mitglieder.
  2. Zusammenarbeit mit Institutionen und Verbänden in Belangen des Religionsunterrichts
  3. Förderung kollegialer Verbindungen innerhalb der Religionslehrerschaft.
Die komplette Satzung können Sie hier —» nachlesen.
  • reli - da geht was!
  • reli - genau meins!
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