•      08.10.2020

Noahs hochaktuelle Gebote

Kann man mit der Theologie gegen Verschwörungsmythen und Hass angehen? Ja! Denn es gibt Verbindendes.

AntisemitismusAntisemitismus in vielfältiger Ausprägung nimmt zu. Judenfeindliche Verschwörungsmythen hatten vor allem in den so genannten sozialen Medien schon Hochkonjunktur, bevor die Corona-Pandemie noch einmal ganz neue Sumpfblüten trieb – man denke nur an den gelben Stern, den Masken- und Impfgegner völlig unhistorisch bei Demonstrationen immer wieder usurpieren. Grund genug für den Fachbereich Interreligiöser Dialog der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unter seinem Leiter Dr. Christian Ströbele gemeinsam mit dem Beauftragten der Landesregierung gegen Antisemitismus, Dr. Michael Blume, bei einer gemeinsamen Tagung der Frage „Alte Feindbilder in neuem Gewand?“ nachzugehen und nach Wegen zu suchen, wie man antisemitische Verschwörungsmythen entlarven und was man ihnen entgegensetzen kann.
In seinem Eröffnungsvortrag stellte Dr. Michael Blume fest, dass wer gegen Antisemitismus und ähnlich auch gegen Rassismus oder Sexismus, vorgehen wolle, dafür „Gegennarrative“ – bessere Erzählungen benötige. Es gelte, „am Mythos zu arbeiten“. Menschen greifen nach Blumes Überzeugung zu Mythen, um sich in einer unübersichtlich gewordenen und sich rasant ändernden Welt zurecht zu finden.
Dieser Vortrag und die folgenden können in der Video-Berichterstattung verfolgt werden:
Professor Dr. Klaus Müller, Beauftragter für das christlich-jüdische Gespräch der evangelischen Landeskirche in Baden, hob in seinem Vortrag die Bedeutung der „Tora für die Völker“ hervor. Der Tübinger Theologe Professor Dr. Dr. h.c. Karl Josef Kuschel griff Müllers Vorlage auf und beschrieb die noachidischen Gebote als Grundlage für die Menschenrechte. Professor Dr. Amir Dziri von der Universität Fribourg ging der Frage nach, inwiefern das Phänomen des muslimischen Antisemitismus theologisch verankert sei. Professor Dr. Frederek Musall von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg forderte in seinem Vortrag, Narrative nicht nur neu zu denken, sondern ihnen überhaupt erst einen Raum der Aussprache zuzuerkennen. Im Hinblick auf die deutsche Geschichte gehe es aber auch darum, „grundsätzlich Neues zu artikulieren und die Erinnerungskultur neu zu denken“. Wie viel Diskriminierung, Vorurteile und Hass jüdische Menschen im Alltag zu spüren bekommen, machte Professorin Dr. Julia Bernstein eindrücklich klar. Mit dem Gedankengang: „Wie fühlt man sich, wenn…“ zeigte sie Beispiele der unterschiedlichsten Benachteiligungen, Gemeinheiten, Feigheiten und Formen von Alltagsmobbing, die sie in einer Studie zu Antisemitismus an deutschen Schulen zusammengetragen hat. Wie unverkrampft diese Beziehungsarbeit vonstatten gehen kann, demonstrierten zum Abschluss der Tagung Ruth Bostedt und Hanna Veiler. Die beiden Studentinnen, die sich in jüdischen Hochschulgruppen engagieren, gaben einen Einblick in das heutige jüdische Leben.

Den kompletten Bericht mit den Videolinks finden Sie bei der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Über Videos von der Veranstaltung können die Vorträge und Diskussionen nachvollzogen werden. Für den Abend des 12. Oktober 2020 ist außerdem eine Online-Verantaltung mit den Mitwirkenden geplant.



        Aktuelle Meldungen

        Seite drucken

        Startseite