Zur Zukunft des Religionsunterrichts

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Susanne Bahret

Fremde Religionen unterrichten – viele Fragen

Susanne Bahret „Es ist egal, ob jemand den Koran liest oder die Bibel!“ Soweit sind sich fast alle Schülerinnen und Schüler meiner Eingangsklasse im beruflichen Gymnasium einig. Mit „egal“ meinen sie Toleranz.

Wie können wir im RU über andere Religionen reden? Wenn es nicht egal ist, in welchem Buch jemand liest, was ist es dann? Und ist es bereits intolerant, wenn ich mein Befremden über Reinkarnation zum Ausdruck bringe? Immer wieder finden Schülerinnen und Schüler Karma viel gerechter, als die Aussicht auf Himmel und Hölle. Aber wer hat denn von Himmel und Hölle gesprochen, hatte ich mich nicht vor einiger Zeit bemüht, die reformatorische Erkenntnis Luthers von der Gnade Gottes zu erklären. Vielleicht lässt sich diese Erkenntnis aber gar nicht erklären, weil sie im eigenen Leben vieler Schülerinnen und Schüler nicht  vorkommt. Die Not Luthers, einen gnädigen Gott zu suchen, kennen wir heute doch – Gott sein Dank! – gar nicht mehr.
Ist  Jesus, der die Feindesliebe lehrte, so einfach vergleichbar mit dem Propheten Mohammed, der Kriege führte? Oder darf so nicht verglichen werden?
Hinduismus, Buddhismus, Judentum und Islam: das sind Unterrichtsthemen, die mich immer herausfordern. Bin ich als evangelische Pfarrerin die kompetente Ansprechperson für meine Schülerinnen und Schüler? Über welchen Hinduismus, welchen Buddhismus, welches  Judentum, welchen Islam sprechen wir denn?

Bei der Fortbildung und Mitgliederversammlung  des Fachverbandes evangelischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer in Baden e.V. im Herbst 2016 hatten wir Frau Prof. Eva Ebel zu Gast. Sie hat uns die Voraussetzungen, Entstehung und Durchführung des „Züricher Modells“ vorgestellt. In Zürich sind die Kirchen „raus“ aus dem RU an öffentlichen Schulen. Alle Religionen, die unterrichtet werden, sind gleichberechtigt. Es darf keine Wertung erfolgen, kein Bekenntnis der Lehrerin oder des Lehrers. So faszinierend und sympathisch Frau Ebel als Person ist, so schön der Gedanke, dass alle Kinder einer Klasse zusammen über Religionen und ihre eigene Religion sprechen – nein, so wollte und könnte ich nicht unterrichten!

Der konfessionelle Religionsunterricht ist Gesprächsthema, das haben wir am großen Interesse unserer Mitglieder gemerkt, die Diskussion über den RU können wir in den Medien verfolgen. Die Meinungen gehen weit auseinander. Auf der Homepage des Fachverbandes sind viele Diskussionsbeiträge zu finden.

Der Beitrag erschien auf der Verbände-Seite des "entwurf".

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